Ich dachte, ich liebe mich – bis meine Beziehung mich das Gegenteil lehrte
Man hört es heute überall: Du musst dich zuerst selbst lieben, bevor du wirklich lieben kannst. Auch für eine harmonische und gesunde Beziehung ist das ein Fundament. Aber was bedeutet das eigentlich genau? In diesem Artikel möchte ich dir von meiner eigenen Erfahrung erzählen – aus der Sicht einer Frau und als Beziehungscoach.
Wie alles begann
Als meine Reise der Persönlichkeitsentwicklung startete – das war Ende 2019 – kreuzte irgendwann das Wort Selbstliebe meinen Weg. Damals war ich extrem unsicher und ängstlich. Dabei hatte ich schon immer eine schlanke Figur, mittellange braune Haare, habe immer Wert auf mein Äußeres gelegt, und die meisten Menschen hätten mich wohl als attraktiv bezeichnet. Innerlich habe ich mich jedoch nie so gefühlt.
Rückblickend habe ich immer Bestätigung von außen gebraucht. Wenn mir 100 Menschen gesagt haben, dass ich schön bin, habe ich nach der 101. Bestätigung gesucht. Und so weiter. Eine Endlosschleife. Damals war mir das gar nicht bewusst. Ich habe einfach so vor mich hin gelebt.
Erst als ich angefangen habe zu tanzen, hatte ich den direkten Vergleich. Ich sah, wie andere Frauen sich bewegten, wie sie tanzten und auftraten – und durch ihre Anwesenheit wurde ich plötzlich komplett unsicher. Dieses Verhalten zeigte sich bei mir im Extrem, und ich wusste selbst nicht, was mit mir los war. So kannte ich mich gar nicht.

Durch eine Bekannte – heute eine sehr gute Freundin – kam ich in den Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und irgendwann auch zum Thema Selbstliebe und Selbstwert. Ich war so gefesselt von dem Thema, dass ich tagelang und nächtelang dazu gelesen habe. Und ich habe so viele Parallelen bei mir entdeckt: Nach außen habe ich mich stark gezeigt, aber innerlich habe ich mich nicht so gefühlt. Da war eine Leere in mir, die ich versucht habe, mit Äußerlichkeiten zu füllen.
Einmal wurde ich gefragt: Findest du dich schön und attraktiv? Diese Frage hat mich stark getriggert. Ich konnte nicht selbstbewusst mit Ja antworten. Ich bin ins Stocken geraten.
Damals war ich Single. Meine letzte Beziehung hatte für mich ein schlimmes Ende genommen und mir wirklich wehgetan. Ich wollte erst einmal mein Leben für mich leben, nachdem ich fast nur in Beziehungen gewesen war. Ich kannte es gar nicht, als Single-Frau zu leben und das Leben zu genießen. Und als ich dann mit dem Tanzen begann, machte mir das so viel Freude, dass ich mich erst einmal darauf konzentrieren wollte.
Genau in dieser Zeit kamen meine inneren Themen hoch. Anfangs wollte ich mich damit beschäftigen, bevor ich wieder instabil in eine neue Beziehung starte. Heute bin ich froh, wie sich alles entwickelt hat. Damals war mein Selbstwert einfach am Boden. Ich hatte lange Zeit kein Interesse mehr an einer Beziehung. Das Tanzen und der Vergleich mit anderen Frauen haben nur das ans Licht gebracht, was ich lange verdrängt hatte.
Der Weg zurück zu mir
Okay, aber was macht man mit diesem Bewusstsein, mit dieser Erkenntnis? Man kann schließlich nicht einfach schnipsen, und plötzlich hat man mehr Selbstwert und liebt sich selbst.
Es gibt hier natürlich verschiedene Ansätze. Ich selbst habe viele ausprobiert, und die, von denen ich heute noch überzeugt bin, gebe ich auch meinen Kundinnen im Coaching weiter. Meist sind es auch bei mir Frauen, die diese inneren Themen aufarbeiten. Ich coache auch Männer, aber hier gibt es nicht so oft das Thema Selbstliebe.
Ich sagte mir immer wieder und wieder in mein Spiegelbild “Ich liebe dich”
Was mir anfangs geholfen hat, bevor ich tiefer in meine emotionalen Verletzungen gegangen bin, waren einfache Spiegelübungen und Affirmationen. Ich habe damals an einem 21-Tage-Kurs von Louise Hay teilgenommen. Jeden Tag schaust du in den Spiegel und sagst dir liebevolle Sätze, zum Beispiel: „Ich lerne ab heute, dich zu lieben."
Auch wenn wir es zu Beginn noch nicht wirklich fühlen oder glauben, macht es etwas mit deinem Gehirn, wenn du das im eigenen Spiegelbild zu dir sagst. Dein Gehirn kann in diesem Moment gar nicht unterscheiden, ob es wahr ist oder nicht. Es hört die Worte einfach immer wieder. Am Anfang fühlt sich das an wie „Fake it until you make it" – und ja, es klingt komisch und fühlt sich auch komisch an. Aber wenn du dran bleibst, passieren kleine Wunder und eine wunderbare Transformation.
Irgendwann musste ich weinen, während ich mir diese Sätze gesagt habe. Ich musste weinen, weil hinter der Fassade eine kleine, traurige, verletzte Marianne steckte, die in ihrer Kindheit zu wenig Liebe bekommen hatte. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass innere Kindarbeit ein wichtiger Teil davon ist. Wir alle tragen unser inneres, verletztes Kind mit uns.
Vergebung ist ein wichtiger Teil der inneren Arbeit
Was mir persönlich auch sehr wichtig ist: Vergebungsarbeit. Weil wir verletzte innere Kinder in uns tragen, die sich in ihrer Kindheit etwas anderes gewünscht haben, tragen wir diese Verletzungen oft bis ins Erwachsenenalter mit uns – und machen unseren Eltern Vorwürfe. Wie auch ich. Ich war so verletzt, dass ich meinen Eltern lange innere Vorwürfe gemacht habe. Genau hier setzt die Vergebungsarbeit an. Auch wenn nicht immer alles gut war, ist es ein wichtiger Teil der inneren Arbeit, diese Erfahrungen anzuerkennen, zu vergeben und loszulassen.
Diese Spiegelübung habe ich tagelang praktiziert, mit verschiedenen Affirmationen, die zu mir gepasst haben. Irgendwann merkte ich, dass es wirklich funktioniert. Ich fing an, es zu fühlen und zu glauben. Ich war nicht mehr so fokussiert auf andere Frauen, sondern mehr bei mir – und habe mich mit mir selbst verglichen. Die Erfolge im Außen zeigten sich schnell.
Aber ich muss auch dazu sagen: Diese innere Arbeit ist herausfordernd. Man wird mit dem eigenen Schmerz konfrontiert. Ich habe viel geweint, es zugelassen und nicht verdrängt. Manchmal war ich auch sehr alleine, nicht einsam, aber alleine. Zusammen mit meinem inneren Kind, dem ich dann ganz viel Liebe gegeben habe. Irgendwann wurde es besser. Das zu akzeptieren und anzuerkennen ist wichtig. Und nur dann siehst du auch schnell Veränderung im Außen.
Ein Rückfall in alte Muster
Irgendwann habe ich wieder angefangen zu daten. Jetzt konnte ich sagen: Ich bin eine tolle Frau, und jeder Mann kann sich glücklich schätzen, mich an seiner Seite zu haben. Ich glaube fest daran, dass jede Frau so von sich denken sollte. Wenn du eine Frau bist, die das hier liest: Ich wünsche dir, dass du genau so über dich denkst und es auch glaubst. Das ist auch ein wichtiger Teil meiner Arbeit, wenn ich Frauen coache, die in eine Beziehung wollen oder bereits in einer sind. Es ist unglaublich wichtig, sich in der Beziehung nicht wieder zu verlieren.
Als ich dann eine neue Beziehung begann, konnte ich beobachten, wie ich wieder in mein altes Muster zurückgefallen bin. Ich habe es nicht direkt realisiert, aber etwa nach einem Jahr in der Beziehung habe ich meinen alten Spiegelkurs wieder ausgegraben. Was hat mich dazu gebracht? Ich habe gemerkt, dass mein Selbstwert wieder von der Bestätigung meines damaligen Freundes abhing. Ich fing an, stark an mir als Frau zu zweifeln.
Es war damals auch eine sehr schwierige Zeit in der Beziehung. Wir hatten viele Konflikte, und ich habe vergeblich versucht, sie mit meinem damaligen Partner konstruktiv zu lösen. Er wollte nicht, war nicht bereit, oder konnte es nicht. So standen diese Themen immer wieder zwischen uns, was mich noch mehr verunsichert und verletzt hat. Auch die fehlende Liebe und emotionale Nähe in der Beziehung haben an meinem Selbstwert geknabbert. Meine Unsicherheit und meine Selbstwertzweifel wuchsen. Da ich meinen Partner nicht zwingen konnte, sich zu ändern, habe ich beschlossen, an meinen Unsicherheiten alleine zu arbeiten. Denn nur darin hatte ich Kontrolle: wie ich auf diese Situation, unsere Konflikte und sein Verhalten reagiere.
Dazu kam, dass ich meinen Hauptjob verloren hatte und mich entschieden habe, mein Coaching in Vollzeit auszubauen. Ich hatte aber noch nicht genug Kundinnen, um davon leben zu können. Auch hier war ich also einer großen Herausforderung ausgesetzt: mich nicht von fehlender Bestätigung von außen ablenken zu lassen und mich trotzdem als guten, wertvollen Coach zu sehen.
Wenn die Honeymoon-Phase endet
Was mir zusätzlich schwerfiel: In der Anfangsphase einer Beziehung bekommt und schenkt man automatisch viel mehr Aufmerksamkeit. Man ist in der sogenannten Honeymoon-Phase, der klassischen Verliebtheitsphase. Das ändert sich mit der Zeit. Du siehst die Ecken und Kanten deines Partners, erste Konflikte tauchen auf. Man ist emotional tiefer in der Beziehung und wird getriggert.
Ich habe auch gemerkt: Wenn du als bewusste Person an dir arbeitest, erlebst du diese Konflikte und Trigger nochmal anders. Es kann sogar in eine negative Schleife kippen – du merkst, dass dich etwas triggert, spürst deine Wunden und Ängste und willst sofort etwas verbessern und optimieren. Das habe ich nicht immer als gut erlebt. Auch das kann ins Extreme gehen.
Als unsere Beziehung nicht mehr in der Honeymoon-Phase war, wurde es für mich gleichzeitig etwas ungemütlich. Die starke Bestätigung blieb nach und nach mehr aus. Und weil wir gleichzeitig mehr Konflikte hatten, musste ich mehr Realität akzeptieren: dass mein Partner eben auch diese Seiten hat – und ich mich fragen musste, ob ich das annehmen kann. Das kann auch dazu führen, dass man sich manchmal etwas zurückzieht, um nachzudenken.
Ich möchte hier nicht sagen, dass Rückzug immer ein gesundes Verhalten ist. Aber ich denke, in hitzigen Momenten und in Momenten des Zweifelns ist es normal, sich etwas Freiraum zu geben und die Gedanken zu sortieren. Wichtig ist nur, dass dieser Rückzug zum Sortieren der Gedanken genutzt wird und nicht in emotionale Distanz zum Partner umschlägt. Hier empfehle ich, offen mit dem Partner darüber zu kommunizieren. Und vor allem: dass man wieder einen Zeitpunkt findet, um sich zusammenzusetzen.
Man hört ja auch selbst immer wieder, dass es normal ist, mal Zweifel zu haben. Zum Glück hatte ich immer tolle Coaches, die mir gesagt haben “Das ist normal." Ich dachte immer, irgendetwas sei falsch an mir oder an meiner Beziehung. Die Welt und die sozialen Medien wollen uns oft die perfekte Beziehung vorgaukeln, in der man nie zweifelt und alles super läuft. Das mag es geben, aber es sollte keine Referenz für eine glückliche und erfolgreiche Beziehung sein. Nach den bekanntesten Beziehungsexperten und Forschern – John Gottman, Esther Perel, Stefanie Stahl, um nur ein paar zu nennen – haben die meisten Paare Zweifel und Konflikte. Erfolgreiche Paare gehen nur anders damit um. Das ist meine Referenz.
Alte Muster und Themen kommen wieder – und das ist okay
Das ist auch die Realität von innerer Arbeit und Persönlichkeitsentwicklung. Man könnte meinen, ein Thema, das man einmal bearbeitet hat, tritt nicht mehr auf. Leider nicht. Es kann wiederkommen – nicht mehr ganz so intensiv und schmerzhaft, aber in einer anderen Tiefe.
Ich merke es heute schneller, kann schneller reagieren und gegensteuern. Ich kann mich schneller wieder auf mich konzentrieren und an mir arbeiten. Ich kann auch offener mit meinem Partner darüber sprechen, was gerade in mir vorgeht und warum ich mich vielleicht komisch verhalte – denn auch für ihn ist das komisch, er weiß ja nicht, was in mir passiert. Ich kann von mir aus sagen, dass ich wieder mehr Zeit für mich brauche, um daran zu arbeiten. Das nimmt ihm den Druck – und kann ihn gleichzeitig inspirieren. Ich sehe es also nicht als Rückschlag, sondern als Erweiterung, als eine andere Tiefe.
Beim Tanzen ist mir das übrigens nicht so passiert wie in meiner Beziehung. Als ich einen neuen Tanzstil gelernt habe und wieder Anfängerin war, habe ich gemerkt, dass ich gar nicht so sehr darauf geschaut habe, wie gut andere tanzen können. Ja, ich war Anfängerin und wusste weniger als die meisten dort – aber ich habe mich trotzdem gut gefühlt beim Tanzen. Durch meine innere Arbeit wusste ich: Es geht nicht immer um Technik und Schritte, sondern um die emotionale Verbindung zwischen den Tänzern und wie viel Spaß sie miteinander haben. Und genau den hatte ich auch mit erfahrenen Tänzern.
Wollte ein Tänzer nicht mit mir tanzen, weil mir die Technik fehlte oder ich manche Dinge einfach noch nicht so gut konnte – dann war mir das egal. Denn mir war im Tanz etwas anderes wichtig als perfekte Technik und Schritte. Ich habe mich für die Tänzer entschieden, die Spaß mit mir hatten und mit mir tanzen wollten – wegen mir, nicht wegen meiner perfekten Technik.
In einer Beziehung bin ich emotional investierter und somit verletzlicher.
In meiner Beziehung fiel mir das schwerer. Das liegt daran, dass ich in der Beziehung viel emotional investierter bin als beim Tanzen mit einem Fremden. Mein Partner kann mich natürlich viel stärker verletzen als ein Fremder beim Tanzen. Und genau das habe ich auch als großes Geschenk erkannt: Man kann mich nur so stark verletzen, weil es mir erstens so wichtig ist – und zweitens, weil ich ein sehr offenes Herz habe. Ein so offenes Herz ist verletzbar. Aber genau dieses Herz ist unglaublich groß und hat so viel Licht und Liebe für andere Menschen. Und das kann ich nur geben, wenn ich dieses Herz und mich selbst gut behandle – wenn ich mir selbst diese Liebe und Aufmerksamkeit schenke. Erst dann kann ich nach außen wirklich viel geben – egal, ob in meiner Beziehung, in meinem Job als Beziehungscoach, als Tochter, Schwester, Tante oder Freundin.
Für dich
Ich lade dich jetzt ein die Spiegelübung gemeinsam mit mir zu machen: Geh zu einem Spiegel, schau dir in die Augen, und sage dir:
„Ich lerne dich nun wieder zu lieben. Ich gebe mein Bestes, um dich zu lieben und dein Licht zu lieben. Du bist wunderschön. Ich bin so stolz auf dich. Ich liebe Dich!"
Schreib mir gerne hier unter dem Beitrag oder sende mit eine Nachricht auf Instagram @danceofrelationship, wie dir dieser Artikel gefallen hat und was du für dich mitnehmen konntest.
Keep loving, keep dancing!
Deine Marianne





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